Das Vorzeigeprojekt der Balearenregierung für den Nautiksektor, die Privatisierung der 13 direkt verwalteten Marinas, wurde "sine die" vorerst auf Eis gelegt. Die Ursachen für diesen Schritt zurück sind vielfältig, aber die Hauptursache, wie es Stimmen der Landesregierung und der Partido Popular (PP) gegenüber der Gaceta Náutica bestätigen, sei der unangebrachte Zeitpunkt, in einen offenen Konflikt mit den Liegeplatzinhabern der betroffenen Häfen zu geraten, in einer Zeit kurz vor der Regionalwahl.
Die Ergebnisse der Wahlen zum Europäischen Parlament, in dem die balearische PP zwar gewonnen hat, aber ohne die absolute Mehrheit zu erreichen – wären es regionale oder kommunale Wahlen gewesen – haben die Entscheidung bestimmt, den Privatisierungsprozess von Häfen wie Soller, Andratx, Cala Ratjada, Cala Bona, Colonia de Sant Jordi, Fornells (Menorca) oder Sant Antoni de Portmany (Ibiza) nicht weiter voranzutreiben.
Kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gab der Balearenpräsident José Ramón Bauza zu, dass seiner Partei keine andere Chance bleibe, als wieder mit absoluter Mehrheit zu gewinnen, wenn sie den Archipel regieren möchte.
Das Gegenteil hätte eine Neuauflage des Wahlbündnisses zwischen PSOE, dem nationalistischen Block, der Vereinigten Linken und der neuen politischen Kraft Podemos zur Folge.
Bekanntgegeben wurde dieser Kurswechsel vom Minister für Tourismus Jaime Martínez. Als Grund nannte er offiziell die Notwendigkeit, auf die Ergebnisse einer Studie zur Entwicklung in der Liegeplatznachfrage zu warten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat "die Schwächen, Gefahren, Stärken und Chancen der balearischen Hafenanlagen zu analysieren, um auf dieser Grundlage einen Plan für die unterschiedlichen Nutzungsansprüche durch die Sport- und Freizeitschifferei, den Fischfang und Handel zu entwickeln."
In Wahrheit jedoch wurde aus verschiedenen regierungsnahen Kreisen davor gewarnt, diejenigen Häfen dem Wettbewerb auszuliefern, die überwiegend Liegeplätze für kleinere Schiffe bieten und bei denen die Rentabilität eventueller privater Konzessionäre nur mit Hilfe von zwei Strategien zu sichern sei: Entweder durch die Erweiterung der Einrichtungen und der Schaffung von Freiraum, um größere Schiffe aufnehmen zu können (wie beabsichtigt in El Molinar) oder durch eine Preissteigerung in der "sozialen Nautik", so sehr man sich in den Ausschreibungsbedingungen auch bemüht hätte, die Festlegung von Höchstpreisen für Boote unter 8,5 Meter zu vermeiden.
Die Perspektive wäre gewesen, dass beide dieser Alternativen unverzüglich ein entsprechendes "Erdbeben" provoziert hätten, was aus politischer Sicht schwer zu unterdrücken und daher "sehr unbequem für die PP" weniger als ein Jahr vor den Regionalwahlen geworden wäre.
Denn die Konservative Partei geht davon aus, dass der Nautiksektor ein beachtenswerter Stimmenpool ist, mit dem man es sich "in solch einem entscheidenden" Moment in keinster Weise verscherzen sollte. "Diese Art unpopulärer Projekte müssen in der ersten Phase der Legislatur umgesetzt werden, nicht jetzt", gibt ein Privatmann in einem hohen politischen Amt zu bedenken.


