«Das größte Ärgernis sind die hohen Tarife in den Marinas»
Die Kreuzer-Abteilung (KA) des Deutschen Segelverbandes (DSV) zählt mit über 18.000 Mitgliedern zu den größten Vereinigungen für Segler- und Motorbootfahrer in Europa. Im Verlauf ihrer über 100jährigen Geschichte hat sich die "Kreuzer-Abteilung" zu einer echten Wassersport-Lobby mit zum Teil erheblichen Einfluss im In- und Ausland entwickelt. Der langjährige Nautik-Journalist und Buchautor Martin Muth ist seit 2002 Repräsentant und Berater der Kreuzer-Abteilung für den Mittelmeerraum.

Die Kreuzer-Abteilung (KA) des Deutschen Segelverbandes (DSV) zählt mit über 18.000 Mitgliedern zu den größten Vereinigungen für Segler- und Motorbootfahrer in Europa. Im Verlauf ihrer über 100jährigen Geschichte hat sich die «Kreuzer-Abteilung» zu einer echten Wassersport-Lobby mit zum Teil erheblichen Einfluss im In- und Ausland entwickelt. Der langjährige Nautik-Journalist und Buchautor Martin Muth ist seit 2002 Repräsentant und Berater der Kreuzer-Abteilung für den Mittelmeerraum.

-Was genau ist Ihre Aufgabe?

-Die Beratung unserer Mitglieder rund um das Thema Segeln und Motorbootfahren im Mittelmeer. Also von Routen- und Revierempfehlungen über aktuelle Informationen zu Yachthäfen, Ankerplätzen, Bojenfeldern und Marinas bis hin zu Tipps zu Service-Betrieben, für die Überwinterung von Booten oder Beratung beim Gebrauchtbootkauf.

-Wie viele Mitglieder hat die Kreuzer-Abteilung im Mittelmeerraum?

-Wir schätzen, dass sich zwischen 4.000 und 5.000 KA-Mitglieder ganzjährig im Mittelmeer aufhalten.

-Wo liegen die Hauptunterschiede zwischen dem Mittelmeer und anderen Wassersport-Revieren in Europa?

-Anders als in Nordeuropa, wo die Änderungen und Restriktionen für Wassersportler marginal sind, zeichnet sich der Mittelmeerraum durch eine gewisse Regelungswut aus. Gebühren und Steuern, behördliche Auflagen und Gesetze ändern sich in schneller Folge. Darüber wollen wir unsere Mitglieder so verlässlich und so schnell wie möglich auf dem Laufenden halten.

-Mit welchen Problemen haben Fahrtensegler auf den Balearen zu kämpfen?

-Verglichen mit Einschränkungen bei der Aufenthaltsdauer in der Türkei oder Bootssteuern auf Sardinien und in Griechenland bewegen sich die Probleme hier auf einem anderen Niveau. Aber sie können durchaus gravierend sein, wenn man zum Beispiel Schwierigkeiten hat, im Hochsommer auf Ibiza/Formentera an Wasser zu kommen ohne einen Liegeplatz in einer Marina. Ein Ärgernis für kleine Crews sind weiterhin die relativ hohen Tarife in den Marinas. Bei einem Sommertörn kann man sie noch durch viel Ankern umschiffen. Aber wer seine Yacht ganzjährig auf Mallorca liegen haben möchte, muss tief in die Tasche greifen – preiswerte Plätze gibt es eigentlich nicht.

-Wie sehen die Alternativen aus?

-In den vergangenen Jahren sind einige Yachteigner von den Balearen abgewandert. Ein Boot ist ja keine Immobilie, sondern lässt sich relativ einfach in andere, günstigere Reviere verlegen. Korsika oder Sardinien liegen nur gute 200 Seemeilen entfernt. Dort kosten Langzeit-Liegeplätze an vielen Stellen weniger als die Hälfte im Vergleich zu Mallorca.

-Mallorca ist bei vielen Yachtbesitzern aber weiterhin wegen der guten Erreichbarkeit ein äußerst geschätzter Stützpunkt.

-Das ist richtig für die große Zahl derer, die sich mit dem Preisniveau in den Marinas gut arrangieren können. Die Zahl der Flugverbindungen zwischen Nord- und Mitteleuropa und den Balearen ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Wassersport-Revieren. Dennoch: Gerade Besitzer von kleineren Yachten beziehungsweise kleineren Budgets nehmen eine schlechtere Erreichbarkeit gerne in Kauf, wenn sich damit mehrere tausend Euro pro Jahr sparen lassen.

-Müssen sich die Balearen als europäische Segel- und Wassersport-Destination Sorgen um ihren Ruf machen?

-Im Gegenteil. Die Balearen sind weiterhin ein sehr beliebtes Wassersport-Revier. Insbesondere mit dem ständig wachsenden Angebot in der Wartung- und Refitbranche positioniert sich Palma immer besser. Kaum zu toppen ist auch die Internationalität der Yachtszene, die vielen namhaften Regatten, auch für Großyachten und Klassiker, das ganzjährige hochklassige Ambiente in vielen Marinas sowie das vielfältige, inselweite Komplementärangebot für Yachteigner und Charterurlauber. Das weiß man in Deutschland sehr wohl zu schätzen.

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