In den sechziger und siebziger Jahren wurden Dutzende von Weißen Haien auf den Balearen gejagt. Damals benutzte man eine Falle, die heutzutage nicht mehr eingesetzt werden würde. Es gab auch eine Art von Schleppnetzen, die Haien, Delfinen und Schildkröten den Garaus machte. In den achtziger und neunziger Jahren glich das Meer eher eine Wüste als einem Garten. Zum Glück sieht es so aus, als hätte sich das verändert: Das Leben hat sich in den Gewässern der Balearen erstaunlich gut erholt.
Erneut gibt es wieder riesige Thunfisch-Schwärme, Wale können "leicht" gesichtet werden und Delfine, Pottwale und Grindwale erscheinen fast gemeinsam auf den Fotos, die uns durch unsere angelnden Freunde über WhatsApp erreichen. Doch vielleicht ist das auch ein Grund: Heutzutage ist es eben einfacher, Fotos und Videos zu machen und in Umlauf zu bringen.
Noch gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, aber Tatsache ist, dass in der Saison 2014 sehr viel Roter Thunfisch, Weißer Thunfisch und überhaupt alle Arten von Thunfisch unterwegs sind. Der massive Zustrom von Thunfisch ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wieder jede Menge Haie in den hiesigen Gewässern zu beobachten sind.
Die Anwesenheit des Blauhais (Prionace glauca) ist und war stets normal. Auch heute ist er noch die in hiesigen Gewässern am häufigsten anzutreffende Haiart. Doch auch der große Weiße Hai, der in den letzten drei Jahrzehnten verschwunden war, scheint auf die Balearen zurückzukehren.
Im Jahr 2013 wurde bereits von Angriffen "durch etwas sehr Großes" auf Riesenthunfische, die am Angelhaken hingen, berichtet. Auch waren einige Fotos von sehr großen, halbierten Thunfischen im Umlauf. 2014 tauchten dann Fotos von angefressenen Delfinen auf. Auch äußerten sich einige Berufsfischer erstaunt über die hohe Anzahl größerer Fische, die dieses Jahr bereits mit Bisswunden gefangen wurden. Seit ca. zwei Jahren ist dort unten also etwas, das Jagd auf große Beute macht.
Möglicherweise sind die großen Weißen aufgrund der Verbreitung des Thunfischs auf die Inseln zurückgekommen. Zumindest weist das vom Hobbyfischer Martin Nadal aufgenommene Bild darauf hin. Eindeutig ist das Tier, das auf dem Foto zu sehen ist, kein Blauhai, da diese Art von Hai viel schmaler, schmächtiger und zudem blau ist, anders als der auf dem Bild. Der Hai auf dem Foto ist ein junger Weißer Hai, wie verschiedene Fachleute meinen: sehr breit, mit dreieckiger Rückenflosse, von weißer Farbe bis über die Brustflosse, so wie bei jungen Weißen Haien. Erstaunlicherweise sind diese Tiere auf den Inseln bis zum heutigen Tag noch nie richtig erforscht worden. Vielleicht ist jetzt der Moment gekommen?! Denn vieles über diesen Hai ist unbekannt. Warum wurden so viele Weiße Haie in den sechziger und siebziger Jahren gefangen? Haben sie sich davon gemacht oder waren sie schon ausgestorben? Sind diese großen Haie noch hier, aber wir bekommen sie nicht zu Gesicht? Sind sie in Gefahr oder sind wir es? Sind es spezielle Weiße Haie vom Mittelmeer? Oder wandern sie zwischen den Ozeanen hin und her?
Neben den Blauhaien und Weißen Haien gibt es noch andere große und geheimnisvolle Haie auf dem Meeresgrund. Der renommierte deutsche Fernsehsender ZDF wird im Oktober auf die Inseln kommen, um einen Dokumentarfilm über den "Cañabota" (Hexancheus griseus, Sechskiemerhai) zu drehen. Alles begann damit, dass im Jahr 2013 die mallorquinische Presse das dramatische Bild eines riesigen Hais veröffentlichte, der tot an einem Seil in Port de Andratx hingt. Das in der Tat schockierende Bild sorgte in Deutschland für Bestürzung. Aufgrund der Veröffentlichung nahm das ZDF Kontakt zu Fachleuten vor Ort auf, um mehr über den Hai auf dem Bild in Port de Andratx zu erfahren. Als erstes bemühte man sich um die Identifizierung dieser Spezies. Zweifelsohne war das ein Sechskiemerhai (Hexancheus griseus), ein sehr großer Hai, der am Meeresboden lebt, bis über 500 Kilo wiegen und fünf Meter lang werden kann. Er frisst auch Aas und ist vor allem nachts und in großer Tiefe aktiv – ein König der Meeresgründe. Er ernährt sich von kleineren Haien, Garnelen, Tintenfischen und allem, was er in der Dunkelheit zu fassen bekommt, wobei er sich langsam und auf fast unsichtbare Weise bewegt. In den großen Tiefen, wo es kaum Licht gibt, sind die dominierenden Sinne komplett andere als die uns bekannten. Die Fähigkeit, Veränderungen im Wasserdruck zu erkennen, sowie Lebewesen durch erzeugte Stromwellen zu identifizieren, sind die wichtigsten Eigenschaften, welche die "Sicht" in diesen Tiefen ohne Sonnenlicht definieren. Fälschlicherweise wird der Sechskiemerhai manchmal als "Schläfer" bezeichnet, der langsam und plump erscheint. Doch sein Geheimnis ist, sich ohne Erzeugung von Druckwellen fortzubewegen.
Forscher vor Ort sind jetzt dabei, ein Forschungsprojekt vorzubereiten, dass alle großen Haie der Inseln mit einschließt, vor allem die Sechskiemerhaie und die "verschwundenen" großen Weißen Haie. Noch ist das Projekt auf Finanzierungssuche. Die Studie würde zwei Jahre dauern und Dutzende von Forschungsfahrten aufs Meer wären nötig, um diese großen Meeresräuber zu entdecken. Das angestrebte Ziel ist dem ähnlich, was vor kurzem an der Westküste der USA erreicht wurde. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass es an ihren Küsten nur noch eine Gruppe von ca. 300 Weißen Haien gibt, die jedes Jahr ins Zentrum des Pazifiks wandern und dann an die kalifornische Küste zurückkommen, um sich zu paaren. Inmitten des 21. Jahrhunderts könnte man, wenn man sie denn findet, viel mehr über sie wissen, nicht zuletzt dank GPS-Technologie und Genanalyse.
Selbst wenn wir die Haie niemals mehr zu Gesicht bekommen, könnten wir durch DNA-Tests der Zähne, Kiefergebisse und anderen Überbleibseln, die es auf Mallorca in vielen Privathaushalten gibt, viel mehr über sie erfahren.

