Der Selbstversuch wird in Can Pastilla im El Niño Surf Center unternommen. Um kurz vor 9.00 Uhr morgens tauschen wir alles – außer den Bikini – gegen das unserer Größe entsprechende Paddel und ein Brett ein und los geht’s.
Wir sind ein Grüppchen von sieben Lernwilligen. Unser Lehrer Rubén gibt eine kurze, aber kompakte Einführung am Strand. Es folgen ein paar Trockenübungen auf unseren Brettern, von denen es, so erfahren wir, vom „Opel Corsa“ bis zum „Porsche“ die unterschiedlichen Kategorien gibt. Rubén erklärt die vier verschiedenen Techniken, die so klingende Namen wie ‘venezianisch’ – wie die berühmten Gondolieri – und ‘polynesisch’ haben– wie die „Erfinder“ dieser elegant anmutenden Technik, die polynesischen Fischer. Und wir lernen, wie wir unseren Körper als Segel einsetzen sollen.
Schon geht’s raus auf das spiegelglatte Wasser. Was mich direkt überrascht: Das Gleichgewicht zu halten, erscheint gar nicht so schwer wie erwartet, das Vorwärtskommen umso mehr. Ich muss wohl erst die richtige Paddeltechnik lernen: Einstechphase – den Körper und Paddel wie ein A halten – Zugphase – Kraft einsetzen – und Rückholphase, dabei das Paddel nicht zu tief ins Wasser stechen und immer schön in der Mitte des Bretts bleiben. Aha, so geht das besser, aber dennoch: Es gibt wohl keinen Muskel, der hierbei nicht bewegt und bemüht wird. SUP ist echter (Hochleistungs-)Sport! Tatsache ist, dass, was so einfach aussieht, eines des effektivsten und gleichzeitig sanftesten Ganzkörpertrainings ist: ein echtes Wasser-Workout, vor allem für die Schulter-, Rumpf-, Rücken- und Bauchmuskulatur. Regelmäßig betrieben soll dieser Sport sogar einen größeren Kraftzuwachs bringen als Training im Fitnessstudio. Die Technik richtig zu lernen, ist wichtig, denn nicht zuletzt eignet sich diese Art der Fortbewegung auf dem Wasser besonders gut zum Vermeiden bzw.
Auskurieren von Bandscheibenvorfällen.
Nachdem wir ein paar Kilometer gepaddelt sind, versuchen wir uns in Gleichgewichtsübungen und probieren die unterschiedlichen Techniken aus – ja, sogar ein kleines Wettrennen wird veranstaltet. Dabei wird das zuvor demonstrierte „richtige Ins-Wasser-Fallen“ nun unfreiwillig, aber unter viel Gelächter geübt. Wie gut das kühle Nass doch tut, denn schließlich brennt die Sonne bereits ordentlich vom Himmel, und das Paddeln ist schweißtreibend! Und das wieder aufs Brett zurückklettern, erinnert mich an längst vergangene Surfversuche. Von der Königsklasse des Stand Up Paddle, dem SUP-Yoga, bin ich jedenfalls noch meilenweit entfernt.
Auf unserer Rückfahrt kommen unvermittelt Wind und Wellen auf, und es bedarf eines Kraft- und Balanceaktes gegen den Wind anzupaddeln. Nur nicht aufgeben, immer schön weiter paddeln! Und sei es auf den Knien, das ist auch nicht ohne, aber doch immerhin noch leidlich elegant. Erschöpft, aber hoch motiviert betreten wir nach zwei Stunden wieder (Strand-)Land.
Fazit: SUP ist erstaunlich anspruchsvoll und längst nicht so leicht, wie es aussieht, macht aber ungeheuren Spaß.


