Der deutsche Arzt Tim Liesenhoff für Allgemeinmedizin, Zahnmedizin und Gesichtschirurgie ist leidenschaftlicher Segler mit einer Schwäche für historische Boote. Mit seiner Marigan gewann er bereits zweimal die spanischen Meisterschaften und den "Trofeo Illes Balears" in der Klasse der historischen Segelschiffe.
Werden Sie im nächsten August erneut an der Regatta "Trofeo Illes Balears Clàssics de Veleros" teilnehmen?
Das möchte ich doch hoffen! Diese Regatta zählt zu meinen Lieblingsregatten, weil sie ausgesprochen gut organisiert ist und mir jedes Jahr großen Spaß macht. Vor zwei und vor drei Jahren stand ich mit meiner Crew sogar auf dem Siegertreppchen.
In Ihrer Crew befinden sich häufig junge Familienmitglieder?
Ja, meine vier Kinder sind begeisterte Segler. Meine beiden ältesten Töchter studieren zur Zeit in Brüssel und ich weiß noch nicht, ob sie wieder mit dabei sein können. Mir ist es wichtig, dass junge Menschen mit an Bord sind und wir kein Altherrenclub sind. Vor allem, dass sich auch Mädchen für das Segeln begeistern. Deshalb sind auch die Freunde meiner Kinder herzlich willkommen. Auf Holzschiffen lernt man sehr viel über Materialien und Techniken, was sonst nicht zu vermitteln ist.
Wie sind Sie zu der Marigan gekommen?
Ich habe das Schiff in Schottland gekauft, nachdem ich es in einer Anzeige in der Zeitschrift "Classic Boats" entdeckt habe. Es wurde 1898 von Charles Livingston entworfen und ist an Deck 15,30 Meter lang. Ich habe das Schiff nach Mallorca gebracht und drei Jahre lang restauriert. Eigentlich war es auf den Namen Molita getauft, aber ich habe ihm den Namen Marigan gegeben, eine Zusammensetzung der Namen meiner vier Kinder – Marine, Morgan, Oceane und Logan.
Seit wann segeln Sie?
Seit ich drei Jahre alt bin, mein Vater hatte ein Segelschiff und auch mein Großvater war leidenschaftlicher Segler. Er hat mir mit elf, zwölf Jahren das Segeln beigebracht, später habe ich zahlreiche Segeltörns nach Griechenland, Italien, Tunesien, Portugal, Frankreich und in die Türkei gemacht. An das Segeln mit meinem Großvater habe ich sehr schöne Erinnerungen.
Wie ist Ihre Liebe zu alten Schiffen entstanden?
Das war am Ende meiner Schulzeit. Ich bin zwar in München geboren, aber in Heidelberg aufgewachsen. In Glücksburg habe ich eine Zeitlang die Hanseatische Yachtschule an der Flensburger Förde besucht und auf Holzbooten gelernt. Hier wurde uns die traditionelle Seemannschaft vermittelt, das war ein bisschen wie bei der Marine. Hier wurde mir die Liebe zu alten Segelschiffen vermittelt, mit allem was dazu gehört, denn das ist ja eine Lebensart und eine Philosophie.
Warum haben Sie sich entschieden auf Mallorca zu leben?
Unter anderem weil man hier das ganze Jahr über Segeln kann. Die Insel ist ein Zentrum für den Yachtsport, in einem sehr positiven Sinne. Es ist sehr international und unter den Seglern sind hier alle Nationalitäten zu finden. Das macht großen Spaß!
Auch ist meine Frau sehr glücklich auf Mallorca und durch ihre unterstützende Kraft finde ich das Leben hier noch lebenswerter.
Wie bekommen Sie Ihre Arbeit und die Segelleidenschaft unter einen Hut?
Nachdem ich 16 Jahre die von mir gegründete Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in der Clínica Juaneda geleitet habe, bin ich seit zwei Jahren mit der Marigan Clinic selbstständig und genieße etwas mehr Freiheit.
Entweder habe ich eine Vertretung oder die Praxis ist geschlossen. Die Menschen denken immer, alte Holzboote machen wahnsinnig viel Arbeit und viele Probleme, aber das ist falsch. Zweimal im Jahr fallen die Wartungsarbeiten an und das letzte Mal konnte ich das Schiff sogar selbst lackieren.
Welche Regatten können Sie noch empfehlen?
Ich bin ein großer Fan der PUIG Regatta Vela Clásica Barcelona im Juli und der Regatta Vela Clásica Menorca Ende August / Anfang September, da bin ich immer dabei und beide Regatten sind traumhaft organisiert. Um an den französischen Regatten teilzunehmen ist mir der Aufwand zu groß, das lässt sich schwer mit meiner Arbeit vereinbaren. Kritik üben möchte ich an der von der Real Fundación Hispania organisierten Regatta "Trofeo Almirante Conde de Barcelona", eine Regatta, die einst einen sehr guten Ruf genossen hat, den sie aber gerade verliert, durch Missmanagement und Fehlwirtschaft, wie ich es an der einst so stolzen Hispania beobachten konnte. Ein Trauerspiel!
Noch ein abschließendes Wort?
Ja, ich hoffe, dass sich möglichst viele Segler und Schiffe an der Trofeo Illes Balears Clàssic de Veleros beteiligen und dass sich andere Veranstalter an dieser Regatta ein Beispiel nehmen.


